BASISINFOS ZUM THEMA MITARBEITERFÜHRUNG
Vorsicht: Vor folgenden Beurteilungsfehlern sollten Sie sich hüten
Obwohl eine systematische Mitarbeiterbeurteilung sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Führungskraft viele Vorteile bringt, birgt ihre Anwendung auch einige Gefahren.
Behalten Sie als Führungskraft unbedingt die folgenden Beurteilungsfehler im Auge.
Der Führungskräftetrainer und Leiter des Mensor Instituts, Berlin, Hartmut Laufer nennt 3 Quellen für Beurteilungsfehler:
- systembedingte Fehlerquellen
- beurteilerbedingte Fehlerquellen
- mitarbeiterbedingte Fehlerquellen
Achten Sie auf folgende systembedingte Fehlerquellen
1. Sie haben wenig Möglichkeiten, den Mitarbeiter zu beobachten. Wenn ein Mitarbeiter z. B. örtlich getrennt von Ihnen arbeitet, können Sie sein Leistungs- und Sozialverhalten nur selten prüfen. Auch wenn Sie selbst sehr stark belastet sind, kann es sein, dass Sie sich den Mitarbeitern nicht genügend widmen können.
2. Es gibt keine ausreichenden Vergleichsmöglichkeiten. Übernimmt ein Mitarbeiter z. B. eine Aufgabe, die noch nie durchgeführt wurde, haben Sie keine objektiven Vergleichsmaßstäbe.
3. Der Mitarbeiter hat wenig Möglichkeiten, sich zu profilieren. Mitarbeiter, die Routinearbeiten übernehmen, werden von Vorgesetzten leicht übersehen. Obwohl sie ihre Arbeiten zuverlässig und fleißig verrichten, erhalten sie häufig nur eine durchschnittliche Bewertung, weil ihre Tätigkeit so unspektakulär ist. Tipp: Schenken Sie diesen Mitarbeitern die gleiche Aufmerksamkeit wie Ihren außergewöhnlichen Leistungsträgern und erkennen Sie ihren zuverlässigen Einsatz in der Beurteilung an.
4. Außergewöhnliche Ereignisse oder Arbeitsbedingungen verfälschen den Eindruck. Macht z. B. ein Mitarbeiter einen einmaligen schweren Fehler, bleibt dieser Makel an ihm haften, auch wenn er ansonsten immer gute Ergebnisse bringt. Genauso können bestimmte extreme kurzzeitige Arbeitsbelastungen eines Mitarbeiters Ihre Beurteilung im positiven und negativen Sinn verfälschen.
5. Es fehlen einheitliche Bewertungskriterien. Wenn eine Mitarbeiterbeurteilung nicht systematisch und ohne einheitliche Vorgaben durchgeführt wird, kommt es zu Verunsicherungen bei den Mitarbeitern. Auch Ihnen als Führungskraft fällt die Beurteilung schwerer.
Achten Sie auf folgende Fehlerquellen, die von Ihnen als Beurteiler ausgehen:
1. Sie hängen zu sehr am ersten Eindruck. Der erste Eindruck, den Menschen voneinander haben, ist oft sehr prägend. Unter Umständen hält er sehr lange an und wirkt sich auch noch lange Zeit danach auf Ihre Beurteilungen aus. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge sagt der erste Eindruck aber wenig über das tatsächliche Leistungsverhalten und den Charakter eines Menschen aus, sondern ist vorwiegend von stark subjektiven Einschätzungen bestimmt.
2. Sie übernehmen Einschätzungen von anderen. Wenn Sie frühere Beurteilungen lesen, können diese zutreffend sein, müssen es aber nicht. Es besteht die Möglichkeit, dass Ihr Vorgänger in bestimmte Fehlerfallen getappt ist.
3. Sie erliegen Ihrer Subjektivität. Sie haben sowohl eigene grundlegende Wertvorstellungen als auch situationsabhängige Stimmungen und Gefühle so wie jeder Mensch.
4. Sie erliegen der selektierenden Wahrnehmung. Wahrnehmungen, die zu den eigenen Erfahrungen passen, werden leichter angenommen als solche, die bisherigen Erfahrungen widersprechen. Das heißt: Das, was gern gesehen wird, wird eher aufgenommen. Diese Tendenz erschwert eine realitätsnahe Beurteilung.
5. Sie projizieren Eigenes in Ihre Mitarbeiter hinein. Zeigt ein Mitarbeiter Ähnlichkeiten zu Ihrem eigenen Verhalten, besteht die Gefahr, diese Eigenschaften besonders stark wahrzunehmen. Tendenziell beurteilen Sie den Mitarbeiter deshalb besser, wenn er ähnliche positive Eigenschaften hat wie Sie. Es kann aber auch passieren, dass Sie ihn schlechter beurteilen, dann, wenn der Mitarbeiter Sie vielleicht an eigene verdrängte Schwächen erinnert.
Achten Sie auf folgende mitarbeiterbedingte Fehlerquellen:
1. Der Mitarbeiter zeigt nur gute Leistungen, wenn Sie zusehen. Wenn bestimmte Mitarbeiter sich von Ihnen als Vorgesetztem beobachtet fühlen, zeigen sie das von Ihnen erwünschte rollenkonforme Verhalten, um eine möglichst gute Beurteilung von Ihnen zu bekommen. Sind Sie als Führungskraft nicht anwesend, lassen sie in ihren Anstrengungen nach. Dieses Verhalten muss nicht immer berechnend sein, es kann auch unbewusst an den Tag gelegt werden.
Tipp: Wenn Sie einen Verdacht in dieser Richtung hegen, können Sie dieser Tendenz nur entgegenwirken, indem Sie den betreffenden Mitarbeiter möglichst häufig bei seinem Arbeitsverhalten beobachten. So hebeln Sie diesen Rolleneffekt am ehesten aus.
2. DerMitarbeiter hat einen starken Drang zur Selbstdarstellung. Es gibt Mitarbeiter, die versuchen, bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit Ihnen in Kontakt zu kommen. Dabei stellen sie ihre guten Arbeitsergebnisse heraus und sprechen über ihre anspruchsvolle Aufgabe. Dieses Verhalten des Mitarbeiters kann gewohnheitsmäßig und unbewusst sein.
3. Der Mitarbeiter ist stark introvertiert. Im Gegensatz zum vorher dargestellten Mitarbeitertypus gibt es Mitarbeiter, die besonders bescheiden und zurückgezogen sind, ihre Arbeit aber sehr gut ausführen. Diese Mitarbeiter werden von den Selbstdarstellern vollkommen überstrahlt, vor allem, wenn sie Schwierigkeiten im Bereich Kommunikation haben.
4. Der Mitarbeiter versucht, Sie bewusst zu täuschen. Sicher kennen Sie auch die Mitarbeiter, die Ihnen vorsätzlich Einsatz und Aktivität vorgaukeln, obwohl sie hinter Ihrem Rücken ganz anders agieren. Sie vertuschen ihre Fehler oder schieben sie auf andere. Im schlimmsten Fall machen sie Kollegen schlecht.
Fazit: Sicher können Sie nicht alle Beurteilungsfehler ausschließen. Sie sind nur ein Mensch und eine vollkommen objektive Beurteilung aller Mitarbeiter ist kaum möglich. Durch eine systematische Vorgehensweise, häufige Feedbackgespräche und das Bewusstmachenmöglicher Fehlerquellen kommen Sie einer objektiven und gerechten Beurteilung Ihrer Mitarbeiter aber möglichst nahe.
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