3 Tipps: So ermitteln Sie die Leistung Ihrer Auszubildenden während der Probezeit
Da die Probezeit Ihnen die Möglichkeit geben soll, unterschiedliche Stärken und Schwächen des Azubis kennen zu lernen, sollten Sie sie ihn in dieser Zeit planvoll einsetzen und genau beobachten.
Tipp 1: Packen Sie mehrere Ausbildungsstationen in die Probezeit
Die meisten Berufsausbildungen können sinnvoll in Ausbildungsabschnitte eingeteilt werden. Je nach Bedeutung für den jeweiligen Beruf dauern diese in der Regel zwischen einem und 6 Monaten. Innerhalb eines Ausbildungsabschnitts fallen ähnliche Tätigkeiten an und das berufliche Umfeld ändert sich normalerweise nicht. Das bedeutet: Die Kollegen sind dieselben und die Vorgesetzten sowie Fachausbilder ebenfalls.
Da die Probezeit Ihnen die Möglichkeit geben soll, unterschiedliche Stärken und Schwächen des Azubis kennen zu lernen, sollten Sie mindestens 2 Ausbildungsstationen in die Probezeit legen. Das erhöht die Qualität der Erkenntnisse über den Auszubildenden enorm:
- Die Anzahl verschiedener ausbildungsrelevanter Tätigkeiten liegt deutlich höher.
- Der Azubi arbeitet in unterschiedlichen sozialen Umfeldern und legt dort ggf. unterschiedliche Verhaltensweisen an den Tag.
- Mehrere Vorgesetzte und Ausbilder beobachten und bewerten den Azubi. Die Anzahl der Bewertungen von praktischen Fähigkeiten erhöht sich dadurch deutlich.
Tipp 2: Vermeiden Sie klassische Beurteilungsfehler
Wenn ein Mensch den anderen beobachtet und beurteilt, kommt es häufig zu Fehlern. Manchmal menschelt es einfach zu sehr und Leistung und Sympathie werden vermischt; manchmal ist der Beurteilende aber auch nicht kompetent genug, um ein Urteil zu fällen. Es sind vor allem die Fachausbilder in den Abteilungen, von deren Urteilsfähigkeit viel abhängen kann.
Geben Sie den Fachausbildern daher 3 Beurteilungsgrundsätze mit auf den Weg, damit sie klassische Fehlurteile vermeiden können:
1) Den gesamten Ausbildungsabschnitt bewerten!
Angenommen, der zu bewertende Ausbildungsabschnitt dauert 2 Monate. Am Ende des Zeitraums müssen verschiedene Kriterien benotet werden. Die Bewertung sollte dann tatsächlich auf Beobachtungen zurückgehen, die zu den unterschiedlichsten Zeitpunkten innerhalb des Zeitraums gemacht wurden.
Grundsätzlich besteht nämlich die Gefahr, dass der erste oder der letzte Eindruck überbewertet wird. Dabei sind diese Phasen gar nicht so wichtig. Möglicherweise erscheint ein Azubi in den ersten 2 Tagen orientierungslos und übernervös. Dann besteht die Gefahr, dass der Azubi vom Fachausbilder frühzeitig in eine Schublade gepackt wird, in die er gar nicht reingehört. Wichtig ist vielmehr die kontinuierliche Arbeit über mehrere Wochen hinweg.
Der Beurteilende sollte daher gezielt Beobachtungen im gesamten Ausbildungsabschnitt – also in unterschiedlichen Phasen – anstellen und sich entsprechend Notizen machen. So wird er am Ende nicht nur ein weitgehend objektives Urteil fällen können; er kann zusätzlich erkennen, wohin die Reise geht, also ob der Azubi zuletzt tendenziell stärker oder schwächer wurde.
2) Tatsächlich das beurteilen, was beurteilt werden soll!
Es gibt Auszubildende, die treten grundsätzlich in den Vordergrund. Sie sind häufig laut, übernehmen in Azubi-Kreisen Führungspositionen und genießen hohe Akzeptanz. Andere wiederum ordnen sich grundsätzlich unter, lieben die leisen Töne und arbeiten gern im Hintergrund.
Das Problem: Der „dominante“ Azubi wird häufig über- und der „leise“ häufig unterschätzt. Manch ein Beurteilender tendiert daher dazu, auch bei Kriterien, die mit einem Führungsanspruch nichts zu tun haben, diese Wesenszüge zu berücksichtigen.
3) Private und berufliche Angelegenheiten strikt trennen!
Vorsicht, wenn sich Azubi und Beurteiler privat kennen! In diesem Fall schleichen sich besonders viele Fehler ein, da Sympathie und Antipathie eine Rolle spielen können. Konkret bedeutet das: Vermeiden Sie solche Konstellationen. Und falls das nicht geht: Weisen Sie auf das erhöhte Fehlerrisiko hin. Und vor allem darauf, dass die Beurteilung eines guten Bekannten natürlich von allen Seiten – auch von anderen Azubis – ganz genau beobachtet wird.
Tipp 3: Ziehen Sie eine ehrliche Zwischenbilanz
Nach etwa 2 Monaten Probezeit werden Sie bereits klar erkannt haben, bei welchen Azubis keine Probleme zu erwarten sind und wo es möglicherweise Probleme beim Überspringen der Probezeithürde geben wird. Diese Erkenntnisse halten Sie schriftlich fest und ziehen eine Zwischenbilanz.
Vor allem sollten Sie rechtzeitig Kontakt zu den Fachausbildern suchen, die eine eher ungünstige Prognose stellen. Klären Sie daher:
- Worin genau bestehen die Probleme?
- Sind die Mängel so beträchtlich, dass das Ausbildungsziel nach derzeitigem Stand ggf. nicht erreicht werden kann?
- Was schlägt der Fachausbilder vor, um die Probleme noch innerhalb der Probezeit zu lösen?
- Kommen möglicherweise „ausbildungsbegleitende Hilfen“ infrage?
- Gibt es Stärken, auf denen man gezielt aufbauen kann?
Zudem bringt auch ein Gespräch mit dem Auszubildenden selbst – etwa zur Mitte der Probezeit – Erhellendes für die Beteiligten. Sie erfahren mehr über die Ursachen von Problemen und ggf. über atmosphärische Störungen, und können darangehen, diese zu beheben.
Wichtig ist aber auch: Der Auszubildende selbst erhält ein für ihn sehr wichtiges Feedback. Er lernt, dass die Übernahme kein Selbstläufer ist, und bekommt konkrete Informationen zu seinen Stärken und Schwächen. Er erfährt durch Sie, was er konkret ändern muss, um die Probezeit erfolgreich zu bestehen. Es wäre nicht fair, ihm ein solches Feedback vorzuenthalten und ihn nach 4 Monaten vor vollendete Tatsachen zu stellen.
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