Von Günter Stein, 31.08.2010

Fünf Tipps für die ersten Monate - so nutzen Sie die Probezeit 2010 effektiv

Denn während der Probezeit entscheiden beide Seiten, ob der jeweils andere Partner und vor allem auch der gewählte Beruf den Erwartungen aller entsprechen.

Tipp Nummer 1: Versetzen Sie sich bereits gleich zu Beginn der Ausbildung in die Situation Ihrer Auszubildenden

Die meisten neuen Auszubildenden kommen nach wie vor direkt von der Schulbank. Viele sind es gewohnt, zu Hause umsorgt und bekocht zu werden. Mit dem neuen „Ganztagsjob“ hat diese Zeit der Vollversorgung ein ziemlich abruptes Ende gefunden. Diese Umstellung müssen Sie sich und Ihren Fachausbildern immer wieder vor Augen halten, um sich in Ihre neuen Azubis hineinzuversetzen. Denken Sie dabei auch daran, wie Ihr eigener Start in den Beruf verlaufen ist und daran, was Sie sich damals gewünscht hätten: eine Person, der man vertrauen kann, oder den Kontakt zu älteren Auszubildenden bzw. zur Jugend- und Auszubildendenvertretung. Oder einfach nur ein Umfeld, in dem man respektvoll und freundlich miteinander umgeht, in dem mehr gelächelt als gemuffelt wird.

Sorgen Sie als Ausbildungsverantwortlicher dafür, dass sich Ihr Auszubildender so wohl wie möglich fühlen kann.

Tipp Nummer 2: Machen Sie aus dem „Ernst des Lebens“ die „Chance des Lebens“

Wer jemals eine Ausbildung begonnen hat, weiß noch, dass er mehr als einmal die Floskel „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens“ zu hören bekommt. Die Erfahrungen zeigen allerdings, dass solche letztlich negativen Hinweise eher verunsichern und demotivieren. Zeigen Sie Ihren neuen Azubis bereits zu Beginn der Probezeit: Sie haben jetzt die „Chance Ihres Lebens“. Damit verkaufen Sie die Ausbildung positiv und motivieren Ihre Neuen.

Bedenken Sie dabei auch: In der Tat handelt es sich bei der Berufsausbildung um die erste und einzige Ausbildung bei den meisten Ihrer Azubis. Sie übertreiben keineswegs, wenn Sie die Ausbildung in Ihrem Hause als „Chance des Lebens“ beschreiben.

Tipp Nummer 3: Wählen Sie die ersten Ausbildungsstationen bewusst und mit besonderer Sorgfalt aus

Nicht jede Abteilung ist dafür geeignet, einen „frischgebackenen“ Auszubildenden aufzunehmen. Es gibt allerdings hierfür nicht nur fachliche Gründe, auch wenn diese besonders wichtig sind. Weitere bedeutsame Kriterien sind:

  1. Abteilungen, in denen es des Öfteren Probleme mit den/dem Fachausbilder/n oder anderen Kollegen gibt, sollten Sie als 1. oder 2. Station für einen Azubi meiden. Auch wenn Sie auf diese Unternehmensbereiche für die Ausbildung als Ganzes angewiesen sind, gerade in der Probezeit sollten Sie keine „hausgemachten“ Probleme herbeiorganisieren.
  2. Abteilungen, in denen der Umgangston ganz besonders rau ist, sollten ebenfalls zumindest mit einem Fragezeichen versehen werden. Es könnte sein, dass der Auszubildende den Eindruck erhält, dies sei allgemein üblich, und sich im eigenen Verhalten daran orientieren. Für andere, etwas zarter Besaitete, könnten atmosphärisch kritische Abteilungen aber auch wie ein „Kulturschock“ wirken. Nach ein paar Monaten im Unternehmen ist der Azubi eher gefestigt – und lernt, auch mit unüblicheren Verhaltensweisen zurechtzukommen.
  3. Vorsicht auch bei Unternehmensbereichen, die zwar erfolgreich durch „Learning by doing“ ausbilden, aber aus Ihrer Sicht zu wenig Zeit in eine detaillierte und theoretische Ausbildung investieren. Gerade neue Auszubildende sollten das Gefühl erhalten, dass sich ihre Bezugsperson Zeit nimmt und auch scheinbar naive Fragen beantwortet. Das ist erfahrungsgemäß nicht in allen Abteilungen der Fall.

Tipp Nummer 4: Führen Sie Buch

Legen Sie sich eine kleine Datei an, in der Sie für die neuen Auszubildenden festhalten, was Ihnen besonders auffällt und was Ihnen zugetragen wird. Sammeln Sie Informationen. Das gilt nicht nur für morgendliche Verspätungen oder schlechte Beurteilungen. Auch beispielsweise Äußerungen einzelner über die individuelle Zufriedenheit sollten Sie notieren. Damit erhalten Sie zwar kein repräsentatives Bild, aber kleine Entscheidungshilfen für den Fall, dass die Übernahme nach der Probezeit auf der Kippe steht.

Tipp Nummer 5: Nutzen Sie das Maximum von 4 Monaten als Probezeit

Nicht umsonst hat der Gesetzgeber vor 2 Jahren die maximale Länge der Probezeit von 3 auf 4 Monate erhöht. Dieses Angebot sollten Sie wahrnehmen und die Verträge entsprechend gestalten. Da Sie am Ende die Übernahme nach der Probezeit maßgeblich entscheiden und verantworten, sollten Sie den Zeitraum, in dem Sie beobachten und Informationen sammeln, so lang wie möglich ausdehnen. Von einer 4-monatigen Probezeit würden auch diejenigen Auszubildenden profitieren, die etwas mehr Zeit brauchen, um sich zu akklimatisieren und ihr tatsächliches Leistungsniveau zu erreichen. Ihre Ausbildungsverträge weisen nur eine Probezeit von 3 Monaten aus? Dann ändern Sie dies ganz einfach für das nächste Jahr!

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